ET420-Online im Rückblick - Februar / März 2007
Aktuell +++
27.03.2007 +++ Meldungen
Frankfurt
Von Helmut Hofmann kam der Hinweis, dass nunmehr schon vier ET420 in Frankfurt im Einsatz sind, die mit erneuerter Inneneinrichtung ("ET420Plus-Ultralight") ausgestattet wurden. Nach 420 297, der im Dezember als erster Re-re-design 420er der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, sind 420 344, 420 350 und nunmehr auch 420 266 mit DB-Regio-konformen Stilelementen versehen worden.


Stuttgart
Nachdem nun schon vier verschiedene Varianten von LED-Scheinwerfern bei der Baureihe 420 getestet werden, kommt es nun scheinbar auch bei den Zugzielanzeigen zu einer Testreihe. Neben der LCD-Anzeige an den ET420-Plus Fahrzeugen 420 400 und 420 416, gesellt sich nun 420 438 mit einer LED-Anzeige. Diese hat verblüffende Ähnlichkeit mit den LED-Anzeigen bei den Stadtbahnfahrzeugen der SSB (DT8). Das gilt vornehmlich für die gelbe Leuchtfarbe. Ansonsten hat es bei 420 438 scheinbar keine weiteren Umbauten gegeben.

Vielen Dank an Matthias Vogel für die Sichtungsmeldung.

Noch eine Sichtungsmeldung in Sachen "Blaue Polster" von Lukas Mößlein:
420 441 hat es auch erwischt (zumindest die beiden Endwagen).

Das Umpolstern wird jedenfalls weitergehen, soviel ist sicher.


Und eine Meldung - noch rechtzeitig vor Ende der Winterperiode: Am Freitag den 23.März kam der S-Bahn Betrieb in Stuttgart zeitweise zum erliegen. Durch sog. Nassschnee fielen Äste auf die Oberleitung und verursachten dadurch einen Stromausfall auf der Stammstrecke. Ein Triebzug (in diesem Falle ein 423 der S1) blieb dabei im Hasenbergtunnel stecken. Das es, neben der Eisenbahn, auch bei den anderen Verkehrsmitteln kaum voran ging, soll an dieser Stelle mal nicht verschwiegen werden.

» Artikel in den Stuttgarter Nachrichten


01.03.2007 +++ Meldung
Frankfurt:
Geschmacksverirrung #2


Es ist als ob 420 316 sein Gesicht verloren hätte. Bei dem neuesten Versuch mit LED- und Fernlicht wurde dem ausgewählten Fahrzeug ein gestalterischer Tiefschlag versetzt, der selbst bei Dunkelheit und schlechtesten Sichtverhältnissen nicht zu kaschieren ist. Mit einem geknickten Blechaufsatz scheint die Lücke, an der sich für gewöhnlich die Scheinwerfereinfassung befindet, notdürftig abgedichtet worden zu sein. Auf diesem relativ dünnen Vorsatz wurden dann die beiden Lampeneinsätze für LED- und Fernlicht aufgeschraubt. Die hervorstehenden Schrauben mit Rundkopf lassen dabei an die schlecht geflickten Bullaugen eines abgewrackten U-Boots erinnern.

Vorschaubild: 420 316 mit LED- und Fernlicht

Hier lässt der Autor jede Neutralität außen vor: Diese Versuchsvariante ist die abscheulichste Verunstaltung eines Fahrzeugs, in das seinerzeit bei seiner Entwicklung besonders großen Wert auf ein gefälliges, modernes, freundliches und rundweg schönes Erscheinungsbild gelegt wurde. Damals wurden weder Kosten noch Mühen gescheut dieses Ziel zu verwirklichen. Jetzt wurden bei niedrigsten Kosten und geringster Mühe diese Bemühungen vollends zerstört! Es bleibt zu hoffen, dass dieser Missgriff einmalig bleiben und am besten an dem bedauernswerten 420 316 bald rückgängig gemacht wird.

27.02.2007 +++ Meldung
Stuttgart:
Geschmacksverirrung #1


Das Werk Plochingen hatte sich kurz nach der Frankfurter Ausschreibung für neue, mit blauem Polster bezogene Systemsitze (Paulisch) ebenfalls um die Bestellung solcher bemüht. Mittlerweile wurden die ersten eingebauten Exemplare gemeldet. Sichtungsmeldungen sind eingegangen für 421 408 (nur Mittelwagen), 420 483 (nur beide Endwagen) und 421 424 (Mittelwagen). Es kann davon ausgegangen werden, dass weitere Wagen bereits umgerüstet wurden, bzw. kurz davor stehen umgerüstet zu werden.

Gegen die blauen Sitze ist im Grunde nichts einzuwenden, wenn da nicht der bekannte Grundsatz aus der Farbenlehre wäre: "Grün und Blau schmückt die Sau".

Da bei der Inneneinrichtung der 7./8. Bauserie auch der Fußboden und die Rückwände in grünen Farbtönen gehalten sind, ergibt sich durch das blaue Polster ein unglücklicher Kontrast der für gewöhnlich bei jedweder Gestaltung vermieden werden sollte. Da die farblichen Anpassungen erst mit dem ET420Plus-Programm zu erwarten sind, ist zu befürchten dass man in Stuttgart für die nächste Zeit mit dieser Geschmacksverirrung leben muss.

Vielen Dank an Alex Nietfeld für die Sichtungsmeldung


25.01.2007 +++ Lesetipp
Die Präsentation von 420 297 als ersten ET420 in Frankfurt, der mit einer modifizierten Inneneinrichtung bestückt wurde, wird in der aktuellen Ausgabe der DREHSCHEIBE mit einer Doppelseite gewürdigt. Vom Inhalt soll hier nicht viel verraten werden, aber auf eine dort zitierte Aussage muss an dieser Stelle rasch eingegangen werden.
In DS197 (S. 11) steht zu lesen, das seitens der S-Bahn Rhein-Main bei der Präsentation behauptet wurde, dass eine vollständige Modernisierung dem Programm "ET420-Plus" entsprechend, ein umgebauter ET420 ihnen genauso teuer käme wie ein neu bestellter ET423.

Diese Behauptung kann getrost als falsch bezeichnet werden.
Es sei denn, dass bei einem speziellen ET420-Plus Programm für Frankfurt auch an vergoldete Türgriffe gedacht worden war. Anstatt dem Aw Krefeld wäre das dann sicherlich ein Fall für die "ET420-Tuning-Group" geworden, was natürlich den Preis treiben kannů
Bild: DREHSCHEIBE Nr. 197

07.01.2007 +++ Meldung
Neues Jahr - Neues Glück - Neue Meldungen.

Rhein/Main
Aus Frankfurt wurde die vierte Variante von LED-Spitzenlichter an einem Fahrzeug der Baureihe 420 gemeldet. Versuchsträger ist 420 316, der als erster ET420 in Rhein-Main mit Fernlicht unterwegs ist. Die Bauart soll von der an 420 401 installierten Variante leicht abweichen.

Noch vor dem Jahreswechsel wurden 420 202 und 420 244 zur Verschrottung nach Trier Ehrang überführt. Mit dem Fristablauf von 420 206 Ende November sind die ältesten Vertreter der 3.Bauserie sämtlich aus dem Betrieb ausgeschieden. Die Fahrzeuge 420 201 bis 420 210 gehörten zu den ersten ET420 die im Jahre 1977 werksfrisch nach Stuttgart geliefert wurden. Knapp drei Jahre später wurden die Triebzüge gegen weitere Neuzugänge nach Frankfurt umbeheimatet. Dort verblieben sie bis zu ihrer Außerdienststellung, wobei 420 205 dabei eine Ausnahme ist. Diese Einheit wurde für das letzte Einsatzjahr noch nach Essen abgegeben.

Stuttgart
Anfang Dezember wurde die Ausschreibung der Verkehrsleistungen im Stuttgarter S-Bahn Netz bekanntgegeben. Die Vergabe wird in zwei Teilen Vergeben, die offiziell als "Leistungspakete" bezeichnet werden.

Das erste Paket enthält die S-Bahn-Linien S 1 und S 5 sowie die Verlängerung der S 1 von Plochingen nach Kirchheim, die Kleine Teckbahn und die Schusterbahn (Untertürkheim - Kornwestheim). Das zweite, größere Paket umfasst die Linien S 2, S 3, S 4 und S 6 sowie die Ausbaustrecken S 40 (Marbach - Backnang) und S 60 (Renningen - Böblingen).

Der Verband Region Stuttgart der die Pakete ausschreibt, gibt für das erste Leistungspaket den Einsatz von etwa 43 S-Bahn-Fahrzeugen, die vom Verband selbst zur Verfügung gestellt werden sollen. Für den zweiten Teil müssten von dem ausgewählten EVU zusätzlich zu den zirka elf Fahrzeugen, die die Region bereitstellt, weitere eigene beschafft werden. Dabei könnten laut Aussage des VRS auch "gebrauchte Fahrzeuge" eingesetzt werden, sofern diese die geforderten Qualitätsstandards erfüllten.

Ein interessanter Aspekt sind vorgegebene Leistungskriterien zum S-Bahn Betrieb, zu den die Wettbewerber glaubhaft nachweisen sollen, diese auch erfüllen zu können. Als Grundvoraussetzung zur Teilnahme an der Ausschreibung sollen die Wettbewerber auf Erfahrungen in anderen S-Bahn Betrieben nachweisen. Der Vertragszeitraum soll 15 Jahre betragen und ab spätestens 2013 in Kraft treten. Eine Entscheidung soll Mitte des nächsten Jahres gefällt werden.

» Meldung des VRS


16.12.2006 +++ Meldung
Eine Ergänzung zu der vorausgegangenen Meldung. 420 297 war am Freitag bereits mit 420 285 zusammen als S2 Verstärker zwischen Niedernhausen und Frankfurt Hbf im Einsatz. Die blaue Sitzlandschaft ist also für die öffentlichkeit freigegeben worden.

Vielen Dank an Christian aus Frankfurt für die Nachricht.

15.12.2006 +++ Meldung
Der erste Frankfurter 420 mit neuen, blauen Sitzbezügen ist jetzt vorgestellt worden. 420 297 hat die Ehre sich als erste Einheit in Rhein-Main mit blaubezogenen Paulisch-Sitzen der öffentlichkeit zu präsentieren. Auch wenn in erster Linie lediglich die Bezüge der Systemsitze ausgetauscht wurden, so wertet diese Maßnahme das Innenleben des Triebzugs erheblich auf. Die bisherige Farbkombination in grün-grau wirkte recht schnell trist, sobald die Farben an Kraft verloren. Und speziell in Frankfurt finden sich leider desöfteren Sitzbezüge die eine starke Tendenz in Richtung der Farbe Grau zeigen.

In Kombination mit dem weißen Redesign, das u.a. auch 420 297 bereits Ende der 90er erhielt, kommt das (noch) kräftige Blau der Sitze gut zur Geltung. Da ein ähnlicher Farbkontrast auch bei der Baureihe 423 geboten wird, kann davon ausgegangen werden das die Maßnahme von den Fahrgästen tatsächlich als "Modernisierung" wahrgenommen wird. Vorausgesetzt, die Pflege des Fahrzeugs lässt nicht allzu sehr zu wünschen übrig.

» Aktuelle Meldung aus Drehscheibe-Online

05.12.2006 +++ Meldung
Der noch ausstehende Bildbeweis zum Umbau der Spitzenlichter von 420 401 soll an dieser Stelle nachgeholt werden.
Vorschaubild: 420 401 mit LED- und Fernlicht

Willkommen bei ET420 - Online
Informationen und Daten zur Baureihe 420/421
X420 - Ein Jahr nach dem Ende
Bild: X 420 062 auf der Centralbron am Gamla Stand am 12.August 2005
Nach einem Jahr ohne 420er in Schweden kommen einem die Bilder der kurzen Einsatzzeit des X420 in Stockholm schon etwas unwirklich vor. Gab es tatsächlich einmal die Baureihe 420 im Hohen Norden?
Aber ja doch! Hier z.B. X420 062, der am Nachmittag des 12. August 2005 die erste Centralbron überquert um kurz darauf vom Gamla Stan (Altstadt) aus über die zweite Centralbron zum Stockholmer Hauptbahnhof (Centralstation) zu gelangen. Das Fahrzeug bildet hier das Schlußlicht (Linksverkehr in Schweden) eines Pendeltågs (S-Bahn Zug) nach Kungsängen.

Foto: Dirk Mattner
Vor genau einem Jahr ereilte auf einem Schrottplatz bei Nykroppa in Mittelschweden der Baureihe X420 ein jähes Ende. Und vor gerade einmal vier Jahren wurden die ersten X420 erstmals im Fahrgastbetrieb eingesetzt. Erheblicher Aufwand war mit der Beheimatung der Baureihe in Schweden verbunden gewesen. So füllt etwa die Vorbereitungsphase von 2 Jahren schon beinahe die Hälfte der gesamten, viel zu kurz geratenen Epoche des X420 aus. Warum es letztendlich so kam und welche Gründe zuvor zu dem Einsatz dieser Fahrzeuge im Dienste als Pendeltåg bewogen, wurde vor einem Jahr in einem Artikel der DREHSCHEIBE erklärt. Der Artikel aus DS190 soll an dieser Stelle nochmals mit freundlicher Genehmigung der DREHSCHEIBE einen Rückblick auf die Ereignisse ermöglichen.


X420 - Die (zu) kurze Epoche des hl ET in Schweden


Das Ende zuerst: Am 14.12.2005 endete mit einem Vollzug gebildet aus X420 044 und 058 der Einsatz der Baureihe (X)420 in Schweden. Der X420 058 hatte dabei die Ehre, sowohl im ersten als auch im letzten planmäßigen X420-Zug in Stockholm eingesetzt zu werden. Zusammen mit dem X420 054 und beladen mit den letzten Ersatzteilen, die jetzt nicht mehr benötigt werden, verließen die beiden Einheiten am Morgen des 16.12. die schwedische Hauptstadt, zu ihrer letzten Fahrt, die auf dem Schrottplatz in Nykroppa (Mittelschweden) endete.

Damit ist die Epoche des ET 420 in Schweden nach nur gut vier Jahren schon wieder Geschichte. Würde man diese Geschichte nicht erzählen, könnte man schon bald glauben, dass es dieses besondere Kapitel der deutsch-schwedischen Eisenbahngeschichte nie gegeben hätte.

Damals, kurz vor dem Polarkreis
Die Geschichte begann im Jahre 2000. In der Funktion als Verkehrsverbund und Besteller von Nahverkehrsleistungen im Großraum Stockholms hat SL (Storstockholms Lokaltrafik) um die Jahrtausendwende einen sehr hohen Schadstand bei den Fahrzeugen seiner S-Bahn, den Pendeltågen zu beklagen. Risse an den Drehgestellen bei den X1-Triebwagen im Verbund mit einer Wartung nach rein "betriebswirtschaftlichen Kriterien" zwangen die an sich zuverlässigen Triebwagen in die Knie. Eine neue Baureihe, der spätere X60, mit der das Problem hätte rasch behoben werden können, konnte erst 2001 bestellt werden, da die Neulieferungen für die Stockholmer U-Bahn Vorrang hatten. So kam es zu dem frühest möglichen Termin zur Indienststellung: Das Jahr 2005!

Für diese Übergangszeit musste schnell eine Lösung gefunden werden. Im Einsatz befanden sich bis zu diesem Zeitpunkt die Triebwagen der BR X1, erstes Baujahr 1968 und die BR X10, erstes Baujahr 1983. Die Probleme durch den Fahrzeugmangel waren erheblich und setzten SL zunehmend unter Druck. So begann eine europaweite Suche nach Ersatzfahrzeugen. Zwei Garnituren dänischer Bn konnten erworben werden und gelangten als Pendeltåg in den Einsatz. Diese Züge waren für den S-Bahn-Verkehr jedoch nicht sonderlich gut geeignet und mussten im Sandwichbetrieb mit zwei Rc-Loks gefahren werden. Die Loks wurden von "Green Cargo" gestellt. Zumeist erreichten diese Loks zur Nachtzeit Stockholm mit ihren Güterzugleistungen, wo sie dann für die Früh-HVZ für ein paar Stunden in den S-Bahnbetrieb wechselten. Für SL war dieser Einsatz ziemlich kostenintensiv und blieb insgesamt unbefriedigend.

In München wurden unterdessen die zuverlässigen und bewährten Olympia-Triebzüge aus den 70er-Jahren schrittweise durch die sog. Neubautriebwagen der BR 423 abgelöst, wobei die 420 abgestellt und später größtenteils verschrottet wurden.

Ein Bayer in Schweden
Bereits 2000 wurde SL auf die Münchner 420er aufmerksam und beabsichtigte Fahrzeuge hieraus für den Verkehr in Stockholm zu adaptieren. Zu einem Verkauf von Triebzügen war die DB jedoch aus (un)bekannten Gründen keinesfalls bereit.
Getrieben durch den zunehmenden Druck der Öffentlichkeit in Stockholm, musste SL hierbei zu einigen Eingeständnissen bereit sein. Dazu muss man wissen, dass das Betriebskonzept des ÖPNV in Stockholm mit dem des "Metronom" in Niedersachsen vergleichbar ist. Bei diesem Konzept ist der Besteller gleichzeitig auch Eigentümer des Fahrzeugparks. Diese Vorgabe konnte bei den 420 nicht umgesetzt werden, was zu langwierigen Verhandlungen und einem komplizierten Vertragswerk führte.

Im Oktober 2001 wurde der orange-weiße 420 060 auserkoren, als "forerunner" die Reise in den Norden anzutreten. Nach der Reinigung von seinem letzten Fahrgasteinsatz und einer kurzen Durchsicht in seinem Heimatwerk Mü-Steinhausen fuhr er mit eigener Kraft über Nürnberg - Saalfeld - Halle - Magdeburg - Wittenberge - Rostock bis zur Fähre Sassnitz-Mukran - Trelleborg. Von dort ging es im Schlepp (wegen noch fehlender Zulassung) einer Rc4 nach Motala zur Fa. Motala Verkstad. Dort wurde er in zwei Monaten für den Einsatz in Schweden umgebaut und den Forderungen u.a. der Zulassungsbehörde und des schwedischen Arbeitsschutzes angepasst. So wurden als sichtbare Änderungen "elchfeste" Stirnfenster eingebaut und das deutsche 3-Licht Spitzensignal wich dem schwedischen 4-Leuchten-Fernlicht, und es wurden Rückspiegel an den Führerstandstüren angebracht. Des Weiteren wurde die schwedische Zugsicherung eingebaut

Am 13.12.2001 erreichte der 420 060 dann als erster X420 das Werk Hagalund, als seine vorübergehende Heimat in Stockholm, noch in der deutschen Farbgebung orange-weiß. Es schlossen sich Probefahrten und die Zulassung für Schweden an, bis schließlich im August 2002 der Vertrag zwischen SL, DB Regio Sverige AB und Citypendeln, dem Betreiber der Stockholmer S-Bahn, geschlossen werden konnte. Die Fahrzeuge blieben im Eigentum der DB, vertreten durch DB Regio Sverige, die im Auftrag von SL den Verkehr durchführte. Mit dem Erbringen der Verkehrsleistung und der Wartung wurde Citypendeln von der DB beauftragt.

Unter der Flagge von DB Regio Sverige
Als erste "Lieferung" wurden der 420 020, 021, 026, 027, 044, 047, 054, 058, 060, 062, 065, 067, 110, 117 (der ursprünglich in München Museumszug werden sollte) und 119 ausgewählt. Redesignte Fahrzeuge waren unter den 15 Auswanderern nicht dabei und so blieb es im Großen und Ganzen bei dem gewohnten 420er Ambiente aus den 70er.
Wegen Vorbehalten auf schwedischer Seite gegenüber Aluminium wurde zudem von SL gewünscht nur Fahrzeuge der 1. Bauserie zu verwenden. Es bestand noch eine Option auf bis zu 15 weitere Fahrzeuge, die dann aber leider nicht mehr eingelöst wurde, sodass die in München hierfür vorgesehenen Fahrzeuge auch nach und nach abgefahren wurden.

Bei den Fahrzeugen wurde zuerst in Deutschland, und zwar in Berlin und Limburg, die erforderliche Modulsanierung an den Mittelwagen durchgeführt, die bereits in den Jahren zuvor eine Vielzahl von 420ern erhalten hatten. Nach Schließung des Bombardierwerkes in Berlin beendete das Werk Halle Ammendorf die dort angefangenen Arbeiten an der Revision und an einem Teil der schwedischen Umbauten (z.B. die modifizierte Türsteuerung und der Entfall der Trennwände im Fahrgastraum). Nach der gründlichen Inbetriebsetzung durch das Werk Hennigsdorf und mit Unterstützung durch das Werk München-Steinhausen erfolgte die Überführung über Sassnitz - Trelleborg nach Motala, wo der Umbau beendet wurde (u.a. die Umlackierung in die alte SL-Farbgebung in dunkelblau, der Einbau des ATC, der Klimaanlage in den Führerräumen und des schwedischen GSM-R Zugfunks). Der Umbau dauerte durchschnittlich 8 Wochen und, nach einer gemeinsamen Abnahme durch DB Regio, DB Regio Sverige AB und Citypendeln, wurden die Fahrzeuge nach Älvsjö überführt. Als erster Serien-X420 erreichte der X420 062 die schwedische Hauptstadt im Oktober 2002, als letzter, nun den Serienfahrzeugen angeglichen, der X420 060 erneut im November 2003. Zu Ehren eines um das Projekt X420 verdienten Mitarbeiters der Bauartverantwortung der DB Regio in München wurde der X420 060 auf den Namen Robert getauft. Nach der Ausbildung des Werkstatt- und Fahrpersonals wurde am 20.01.2003 mit dem X420 047 und 058 der planmäßige Verkehr in Stockholm aufgenommen.

Im ersten Halbjahr fiel der Einsatz der X420 noch recht bescheiden aus. Zur HVZ waren zunächst Vollzüge zwischen Tumba und Upplands Väsby unterwegs. SL wünschte sich möglichst viele Langzugeinsätze, was durch den großen Andrang zur HVZ durchaus sinnvoll erschien. Je mehr 420 zur Verfügung standen um so öfters konnte man 420er-Langzüge in Stockholm beobachten. Wie in Deutschland, so war auch in Schweden der Einsatz eines Begleiters vonnöten. Da bei den Pendeltågen seit jeher grundsätzlich immer ein Begleiter den Zug abfertigt, entstand mit dem Einsatz der X420 keinerlei Mehraufwand.

Im Sommer 2003 machten sich dann doch noch einige Anlaufschwierigkeiten bemerkbar. Die neuen Klimaanlagen für die Führerstände waren zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht einsatzfähig. Dies hatte zur Folge, dass während der ohnehin verkehrsschwachen Ferienzeit ein 420 Vollzug nur zur kühlen Morgenstunde auf die Strecke gehen durfte. Nach knapp zwei Umläufen zwischen Västerhaninge und Kungsängen verkrochen sich die X420 mit ihrer nutzlosen Dachdekorationen wieder ins Bw. Im Herbst konnten diese Probleme allmählich aus der Welt geschaffen werden.

Der Einsatz beginnt nun richtig
Das Betriebsprogramm konzentrierte sich nun auf den Streckenabschnitt Västerhaninge - Kungsängen. Dies sollte für die verbleibenden Jahre auch das Haupteinsatzgebiet bleiben. Mit bis zu vier Umläufen gleichzeitig waren X420 zu beinahe jeder Stunde und an jedem Wochentag auf diesem Abschnitt der Verbindung Bålsta - Nynäshamn unterwegs.

Abweichungen von diesen Umläufen gab es nur zu den Sommermonaten, wenn in Schweden traditionell ein Gang zurückgeschaltet wird. Im Sommer 2004 fielen dabei besonders zwei Leistungen auf, die nur kurzzeitig im Programm waren. Da war einmal ein verlängerter Umlauf über Kungsängen hinaus nach Bålsta zu verzeichnen. Und, ein besonderes Schmankerl, ein Umlauf über Tumba hinaus bis nach Södertälje Centrum. Das bedeutete, das man den X420 bei der besonderen Betriebssituation erleben konnte, die das Kopfmachen am alten Hauptbahnhof und die kurze Fahrt über die eingleisige Verbindung zu dem stadtnahen Kopfbahnhof im Talkessel beinhaltete.

So hat der X420 einen Großteil des Pendeltåg-Netzes regulär erfahren können. Einsätze über Västerhaninge hinaus nach Nynäshamn blieben den 420 jedoch verwehrt. Dieser eingleisige Abschnitt ist nur mit 110m-Bahnsteigen ausgerüstet, die für einen 420-Vollzug schon zu kurz sind. Zwar gilt dieser Abschnitt als relativ verkehrsschwach, doch für einen X420-Kurzzug ist die Nachfrage wiederum zu groß. "Kurzzug", diesen Begriff gibt es zwar als "korta tåg" auch bei Pendeltågen, jedoch blieb er für die X420 immer ein Fremdwort. 420er gab es in Stockholm immer mindestens im Doppelpack.

Die X420 wurden importiert, um den andauernden Fahrzeugmangel bei SL bis zur Inbetriebnahme der neu bestellten X60 von Alstom/LHB zu überbrücken. Im Winter 2004 / 2005 weilte dann der erste X60 zur Zulassung in Schweden, ab Sommer 2005 begann dann die Serienlieferung und im September gingen die ersten beiden Triebwagen in den Einsatz. Spätestens zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich deutlich sichtbar ab, dass der Einsatz der X420 nicht mehr von langer Dauer sein würde. Die Planung zur Außerbetriebsetzung der X420 lief bei SL aber schon seit Anfang des Jahres.

Abschied auf Raten
Der Abstieg der 420 in Stockholm begann eigentlich schon im Oktober 2004, als X420 021 wegen eines Brandes aus dem Betrieb genommen werden musste. Der Vorschlag mit Hilfe des Endwagens 420 030 die Garnitur wieder zu vervollständigen fand leider bei SL kein Gefallen und so diente 021 fortan als Ersatzteilspender. Ende 2004 wurden dann noch sieben X420 von Älvsjö nach Hagalund im Norden Stockholms umbeheimatet und dort von Swedtrac betreut, so dass in beiden Bws zwei Langzüge und eine Reserveeinheit zur Verfügung standen. Bis Herbst 2005 wurden die vier Langzüge noch planmäßig eingesetzt, drei davon jedoch nur noch als Verstärker in der morgendlichen Hauptverkehrszeit. Mitte Oktober wurde dann der erste Frühumlauf gestrichen.
Am 27.10. wurden der X420 047, 060 und 117 als Erste zur Verschrottung nach Nykroppa gebracht. Es folgten am 4.November X420 020, 062 und 110, die nach der Ankunft aus Tumba in Stockholm C sofort auf die Fahrt nach Nykroppa wendeten. Den ersten Teil ihrer letzten Fahrt bis Kristinehamn legten alle X420 noch aus eigener Kraft zurück, die letzten Kilometer bis Nykroppa mangels Fahrdraht im Schlepp unterschiedlichster Tågab-Dieselloks. Bei den ersten beiden Fuhren diente T43 107 als Schlepplok, die für Filmaufnahmen in Great-Northern-Farben lackiert wurde und immer noch so im Einsatz ist. Am 04.11. wurde auch zum letzten Mal der Tagesumlauf gefahren, mit dem eine X420-Garnitur den ganzen Tag zwischen Västerhaninge und Kungsängen unterwegs war. Der nächste Einschnitt erfolgte am 25.11., dem letzten Tag, an dem noch zwei Garnituren im Einsatz waren. Noch am selben Tag wurden dann X420 026, 065 und 119 verabschiedet, die ab Kristinehamn mit der TMX 104, einer Nohab mit bunter Sonderlackierung, befördert wurden. X420 027 und 067 folgten am 12.12., die von den beiden "Kleinloks" Z65 203 + 208 geschleppt wurden.

Wie eingangs erwähnt, gingen die letzten X420 am 16.12. auf die Reise. Diesmal im Schlepp der T43 107, wie bei der ersten Überführung. Damit waren 14 der 15 X420 zum Zerlegen nach Nykroppa abgefahren worden. Alle waren bis zuletzt voll betriebsfähig, da sie ursprünglich für einen 8-jährigen Einsatzzeitraum revisioniert worden sind. Das Brandfahrzeug X420 021 wird seine letzte Fahrt im Februar 2006, allerdings vollständig im Schlepp, von Motala aus absolvieren. In den nächsten Wochen wird dann in Westschweden das Kapitel X420 endgültig abgeschlossen werden. Sämtliche Spuren werden fein säuberlich beseitigt, in 1:1 bleibt nichts erhalten. So bleibt von den Einsätzen nur diese Geschichte übrig, die trotz Augenzeugenberichten und Fotos immer mehr zu einem Schwedischen Mittsommernachtsmärchen wird. Wer glaubt denn in 10 Jahren noch, das da mal Münchner S-Bahnzüge...
in Schweden...

Text: Michael Sauer und Dirk Mattner

Epilog
Das Resümee fällt trotz der Kurzsichtigkeit des Bestellers in Schweden und des damit verbundenen überstürzten Endes in Stockholm eindeutig positiv aus. Der ET 420 hat eindrucksvoll aufgezeigt, dass er sehr wohl in der Lage ist auch nach über 30 Jahren härtesten Betriebseinsatz immer noch seine Pflicht zu erfüllen! Dank der Weitsichtigkeit seiner damaligen Konstrukteure stellt er ein rundum gelungenes Fahrzeug dar und mit Stolz und Mitleid wird er auf seinen sog. Nachfolger schauen, der niemals auch nur im geringsten in die Lage kommen wird, eine solche Aufgabe zu bekommen, geschweige denn diese so mit Bravour zu meistern! Für diejenigen die dabei sein durften und die Fahrzeuge in Stockholm im Einsatz erlebt haben wird dies sicherlich der nicht zu übertreffende Höhepunkt ihrer gesamten Zeit als Eisenbahnfuzzy sein! Somit wird der Dank an unsere ET und X420 wie die Erinnerung daran ewig anhalten.

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Hej X420-Fans!
Hier eine Auswahl an Bilderseiten, in dem die Baureihe 420 in Schweden gewürdigt wird:

  1. Johan Hellström hat die umfassendeste Dokumentationen der X420 im Netz geschaffen.
    »Johan Hellströms lokaltågssida
  2. X420 - Sehr ausführlich auf »www.bussmicke.se
  3. Auf www.jarnvag.net sieht man eine Abholung am Fährhafen in »Trelleborg und Bilder aus »Stockholm.
    Ganz besonders interessant ist ein Bild von einer »Drehfahrt über das Gleisdreieck Tomteboda - Stockholm N - Karlberg.
Viel Spass!



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ET420 Plus - Spezial
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ET420-Online Spezial
Die gloreichen Acht!
ET420-Online begleitete die letzten Einsatzwochen der 420er in München mit einer kleinen Bilderschau:
"Die gloreichen Acht" - die letzten 420 in Bayern!

Wichtiger Hinweis: Zur Betrachtung obriger Sonderseite ist ein Flash Plug-In notwendig.
25 Jahre S-Bahn Rhein-Main 1978 - 2003
Rückschau Festtag, 30.06.2003
Bilder zur Feier "25 Jahre S-BahnRhein-Main" mit einem Tag der offenen Tür und 420 001 als Stargast, gibt es hier:

» S-Bahn-Frankfurt.de

» IGS-München
30 Jahre Münchner S-Bahn
Rückschau Festtag, 27.04.2002
Bilder zur Feier "30 Jahre S-Bahn München" mit Tag der offenen Tür im Werk Steinhausen, gibt es hier:

» H@rrys Bahnseite - EXTRA

» IGS-München


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